Bei Green Fusion geht es tagtäglich um die Wärmewende, Sektorkopplung und den digitalen Heizungskeller. Mit Kunden aus der Wohnungswirtschaft wird intensiv an diesen Themen gearbeitet. An Weihnachten 2025 hat das Team den Blick bewusst über die Wohnungswirtschaft hinaus geweitet. Nach dem Motto „Lieber spenden statt schenken" gab es keine Geschenke an Kunden, sondern die Unterstützung der Arbeit einer wichtigen sozialen Organisation. Die Wahl fiel auf die „Deutsche Entwicklungszusammenarbeit für soziales Wohnungs- und Siedlungswesen e.V." (DESWOS). Die Initiative wurde am 17.11.1969 von sozial orientierten Wohnungsgenossenschaften und -gesellschaften gegründet, die dem GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. angehören, sowie von Privatpersonen.
Konkret wurde ein Projekt in Cochabamba, Bolivien, einer der am schnellsten wachsenden Städte des Landes, unterstützt. Viele Menschen kommen aus ländlichen Regionen nach Cochabamba, weil sie dort bessere Chancen für sich und ihre Familien suchen. Für viele von ihnen beginnt das neue Leben jedoch am Stadtrand - in informellen Siedlungen, in denen Häuser häufig selbst gebaut werden und grundlegende Dinge wie sauberes Wasser, Abwasser, sichere Stromversorgung oder eine gesicherte Grundstücksnutzung fehlen.
Die indigene Bevölkerung, und hier insbesondere Frauen, sind deutlich durch Armut, strukturelle Ausgrenzung, aber auch Diskriminierung und Gewalt marginalisiert. Genau bei diesem Anliegen setzt die von Green Fusion unterstützte Arbeit von DESWOS und ihrer bolivianischen Partnerorganisation PROCASHA (Promoción Para El Cambio Socio-Habitacional) an.
Ein wesentlicher Teil des Projekts zielt auf die Ausbildung indigener Frauen zu Maurerinnen ab. Vierzig Frauen werden im Rahmen des Programms qualifiziert und lernen das Maurerhandwerk. Was das konkret bedeutet, zeigt sich erst im Detail: Sie lernen, welche Materialien und Techniken sie für sicheres Bauen brauchen und wenden ihr neues Wissen auch direkt an. Beispielsweise sichern und renovieren sie direkt ihre eigenen Häuser und lernen, eine Wasserversorgung auf ihren Dächern zu installieren. Schritt für Schritt schaffen sie sich damit ein sicheres und menschenwürdiges Zuhause.
Aus der Expertise für sich zu bauen, wird schnell viel mehr: Wer weiß, wie man baut, kann auch für andere bauen. So erschließen sich die Frauen eine neue berufliche Perspektive, übernehmen kleinere Bauaufträge in der Nachbarschaft und erzielen eigenes Einkommen für ihre Familien. Ein weiterer Baustein sind die Frauenbaugenossenschaften: Acht bestehende Gruppen werden in diesem Jahr in einem weiteren Stadtbezirk begleitet, zwei neue befinden sich im Aufbau.

Manche der sichtbarsten Veränderungen sind erstaunlich klein. Ein Wassertank auf dem Dach ermöglicht nicht nur zuverlässigen Zugang zu Wasser, sondern über die Wiederverwendung von aufbereitetem Grauwasser auch kleine Gemüsegärten direkt am Haus und damit mehr frisches Gemüse, und mehr Ernährungssicherheit für die Familien.
Noch unscheinbarer wirkt ein einfaches Waschbecken. Doch mit besseren Waschmöglichkeiten im Haus beginnen in einigen Familien auch Männer, Aufgaben im Haushalt zu übernehmen. In einem Umfeld, das stark von traditionellen Rollenbildern und Machismo geprägt ist, mag das auf den ersten Blick nach einer Kleinigkeit aussehen. Ist es aber nicht. Denn Veränderung beginnt oft genau dort: im Alltag, in der Familie und bei der Frage, wer welche Verantwortung übernimmt.
Als Green Fusion arbeiten wir im Gebäudesektor und der Wohnungswirtschaft. Vieles, das für uns selbstverständlich ist, ist in anderen Ländern überhaupt nicht gegeben. Das Projekt in Cochabamba hat uns daran erinnert, dass der Zugang zu grundlegender Infrastruktur weltweit sehr unterschiedlich verteilt ist und dass technisches Wissen, richtig vermittelt, weit darübe hinauswirkt: auf Einkommen, auf Selbstbestimmung, auf das soziale Gefüge einer ganzen Nachbarschaft.
Wir freuen uns, dieses Projekt mit unserer Spende ein Stück begleitet zu haben, und sind gespannt, wie sich die Frauenbaugenossenschaften in Cochabamba weiterentwickeln.
Mehr zur großartigen Arbeit von DESWOS und PROCASHA gibt es unter www.deswos.de.